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Fünffacher Tugend





Der Sangspruchdichter Regenbogen lebte am Ende des 13. Jh/ Anfang 14. Jh. Sangspruch ist eine Lyrik-Form, die mit Walther von der Vogelweide ihren ersten Höhepunkt erreicht hatte. Der Sänger Regenbogen zählt für die späteren Meistersinger des 15. Jh. zu einem von den 12 Meistern des alten Stils.

Fünffacher Tugend Gut,
soll eine Frau stets pflegen
Wenn sie nach Weibes Segen
Begehrt mit rechtem Mut!
Die erste Tugend halte
Sie immer streng in Hut,
sie soll auch keinen Fußbreit
von ihrer Nähe lassen!
Die erste Tugend: Weibesehre.
Die Zucht nennt sich die zweite;
Wenn die ihr nie entgleite,
So wird auf Markt und Strassen
Ihr Lob niemals verblassen,
dafür sichs stets vermehren.
Die dritte ist Verständigkeit,
Die steh ihr stets zur Seite!
Reinheit die vierte ist genannt,
Und mit der Reinheit Hand in Hand
Als fünfte geh Freigebigkeit.
Welch Weib die fünf hält im Verein,
Die kann des Mannes Kaiserin sein,
Sie wird im hohen Engelschrein
Mit Siegeln einst gebunden:
Viel selig Weib, dort wird allein
dein Sinn in Freud gefunden!

Knud Seckel: romanische Harfe und Gesang

aufgenommen im fränkischen Freilandmuseum Bad Windsheim








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