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Ja nus hons pris - Klagelied des Richard Löwenherz





Durch die Gefangennahme des aquitanischen Königs Richard Löwenherz durch die staufertreuen Gefolgsmänner Leopolds V kam dieser im weiteren Verlauf auch auf den Trifels. Er verbrachte zwei Winter in den südwestdeutschen Gebieten. Aufenthalte in den Reichsstädten Speyer, Worms und in der Kaiserpfalz Hagenau aber auch auf dem Trifels sind anzunehmen. Das immense Lösegeld von 22 Tonnen Silber musste in den Stammlanden Aquitanien und England aufgebracht werden. Im Beisein seiner betagten Mutter Eleonore bekam er im Februar 1194 seine Freiheit wieder.

Ein mittelalterlicher Thriller, denn es war ein Rechtsbruch einen Pilger/Kreuzfahrer gefangen zu nehmen. Der österreichische Herzog Leopold V wurde mit dem Kirchenbann belegt. Er starb einige Jahre später, so wie auch der Stauferkaiser Heinrich VI. Die mittelalterlichen Menschen sahen darin eine Gottesstrafe.

Ja nus hons pris ne dira sa raison
adroitement, se dolantement non:
Mais par effort puet il faire chançon.
Mout ai amis, mais povre sont li don;
Honte i avront se por ma reançon
Sui ça deus yvers pris.

Ce sevent bien mi home et mi baron –
Ynglois, Normant, Poitevin et Gascon –
Que je n’ai nul si povre compaignon
que je lessaisse por avoir en prison;
Je nou di mie por nule retraçon,
Mais encor sui je pris.

Or sai je bien de voir certeinnement
que morz ne pris n’a ami ne parent,
quant on me faut por or ne por argent.
Mout m’est de moi, mes plus m’est de ma gent,
qu’aprés ma mort avront reprochement
se longuement sui pris.

Mes compaignons que j’amoie et que j’ain –
ces de Cahen et ces de Percherain –
di lor, chançon, qu’il ne sunt pas certain,
c’onques vers aus ne oi faus cuer ne vain;
S’il me guerroient, il feront que vilain
Tant con je serai pris.

Contesse suer, vostre pris soverain
vos saut et gart cil a cui je m’en clain
et por cui je sui pris.

Je ne di mie a cele de Chartain,
La mere de Loëys.



Kein Gefangener kann seine Geschichte frei heraus
erzählen, wenn er nicht Schmerz dabei empfindet. Aber
es gelingt ihm doch ein Lied zu machen.
Ich habe viele Freunde, aber wenig Unterstützung.
Schande haben sie dadurch,
dass ich des Lösegeldes wegen
zwei Winter gefangen bin.

Es wissen meine Gefolgsleute und Barone,
Engländer, Normannen, Poiteviner und Gascogner,
dass ich keinen noch so geringen Gefährten besitze,
der des Geldes wegen im Gefängnis bliebe.
Ich sage dies nicht aus einem Vorwurf,
aber ich bin immer noch gefangen.

Nun weiss ich es sicherlich
dass ich im Tod keine Freunde noch Verwandten habe,
die mich nicht des Silber und Goldes wegen fallenlassen.
Es geht mir nicht um mich, sondern mehr um mein Volk,
nach meinem Tod wird man es ihnen vorwerfen,
so lange bin ich gefangen.

Meine Gefährten, die ich liebe und hasse,
die aus Caen und der Perche.
Sag ihnen, Lied, dass sie nicht ehrlich sind;
Ihnen habe ich nie ein falsches, schwaches Herz gezeigt.
Wenn sie mich bekämpfen, so tun sie ehrenrühriges,
solange ich gefangen bin.

Gräfin, Schwester, eure hohe Geburt
bewahre und behüte Euch vor dem den ich anklage
und durch den ich gefangen.

ich sage kein Wort denen aus Chartres
der Mutter Ludwigs


Dank an die GDKE Rheinland-Pfalz und die Burg Trifels








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