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Ich zôch mir einen valken





Der Kürenberger (12. Jh.) vergleicht das Verhältnis des Falken zu seinem Herrn mit einer Minnebeziehung. Seidene Riemen und goldenes Gefieder - Gott sende die zusammen, die beieinander bleiben mögen.
die dritte Strophe stammt aus einem anderen Lied des kürenberger und passt inhaltlich sehr schön dazu.

„Ich zôch mir einen valken mêre danne ein jâr.
Dô ich in gezamete als ich in wollte hân
Und ich im sîn gevidere mit golde wol bewant,
er huop sich ûf vil hôhe und fluog in ándèriu lant.

Sît sach ich den valken schône fliegen.
Er fuorte an sînem fuoze sîdîne riemen.
Und was im sîn gevidere alrôt guldîn.
Got sende si zesamene die gerne gelíep wéllen sîn!“

Wîp unde vederspil diu werdent lîhte zam.
Swer sî ze rehte lucket, sô suochent sî den man.
Als warb ein schoene ritter umbe eine vrouwen guot.
Als ich dar an gedenke, sô stêt wol hôhe mîn muot.



Der Falke
„Ich zog mir einen Falken länger denn ein Jahr.
Als er von mir gezähmt und mir nach Wunsche war
Und ich um sein Gefieder goldene Bänder wand,
steil stieg er in die Lüfte und flog in anderes Land.

Fortan sah ich den Falken herrlich schwingen:
Er trug an seinem Fuße seidene Schlingen,
es glänzte sein Gefieder um und um von Gold.
Gott sende sie zusammen, die sich sehnsüchtig hold.“

Weiber und Jagdvögel, die werden leicht zahm,
wenn man sie richtig lockt, dann suchen sie den Mann.
Es warb ein stattlicher Ritter um eine edle Frau.
Wenn ich daran denke steht mein Gemüt in hohem Sinn.


aufgenommen in Nienover (http://www.mittelalterhaus-nienover.de)








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