Maie dîn lihter schîn (Neidhart, 13. Jh.)
Der Minnesänger Neidhart ist von seiner Minnedame und der Welt enttäuscht
Sein Haar ist grau und sie schaut ihn nicht an, doch Minne gebietet dass die Blicke miteinander spielen...
Meie, dîn liehter schîn
und diu kleinen vogelîn
Bringent vröuden vollen schrîn.
Daz si willekomen sîn!
Ich bin an den vröuden mîn
Mit der werlde kranc.
Alle tage ist mîn klage,
von der ich daz beste sage
Unde ir holdez herze trage,
daz ich der niht wol behage.
Von den schulden ich verzage
Daz mir nie gelanc,
alsô noch genuogen an ir dienest ist gelungen,
die nâch guoter wîbe lône höveschlîchen rungen.
Nû hân ich beidiu umbe sust gedienet unde gesungen.
Ungemâch, mir geschâch,
dô ich von êrste ein wîp ersach
der man ie daz beste sprach
unde ir guoter dinge jach,
diu ir kiusche nie zerbrach
unde ir hövescheit.
Ist mîn hâr grîsgevar,
daz kumt von ir schulden gar.
Ir vil liehten ougen klâr
Nement mîn vil kleine war,
sô diu mînen blickent dar
âne kunterfeit.
Wollte si mit einem gên den mînen beiden zwieren!
Minne diu gebiutet daz diu ougen scharmezieren
Diu liep zwischen wîben unde mannen underwieren.
Hôchgemuot dar zuo fruot,
ist an jungem manne guot,
der vor schanden ist behuot
und daz beste gerne tuot,
den begiuzet saelden fluot,
minnet werdiu wîp,
fürhtet scham, wîbes nam,
der enwirt die nimmer gram.
Ist er guoten wîben zam,
ist sîn zunge an schelten lam,
sost er aller tugende stam.
Saelic sî sîn lîp
Der daz lop behalte! Der ist âne missewende;
Aller saelden saelic muoz er sîn unz an sîn ende.
Diu liet ich der werlde zeiner bezzerunge sende.
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