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Gecronter Reyen (Frauenlob um 1300)





Heinrich von Meißen, genannt Frauenlob (* zwischen 1250 und 1260 in Meißen; † 29. November 1318 in Mainz) war einer der einflussreichsten deutschsprachigen Dichter des 14. Jahrhunderts. Sein Werk ist in zahlreichen Handschriften des Sangspruches überliefert. Sein Künstlername greift die vielfach gepriesene vrouwe auf - die Himmelskönigin Maria. Er steht mit seinen Marienleichen deutlich für die Verschiebung der Minnethematik um 1300 - weg von einer weltlichen Dame hin zur Mutter Gottes Maria.

Sint frolich fraw mit zuchten gein dem meyen,
die lieb will sich in rechter liebe zweyen
und will nach freuden ringen.
Ir lant uch nit verdriessen pfaffen leyen,
ir merckt und bruefet eynen guten reyen,
wann den will ich uch singen!
Was walt, heid, anger, berge, wys und auwen
Stat in ir groen so schon,
darvor so lob ich alle reyne frauwen
ich lobs vor vogel don,
wir soln mit zuchten ern
die hochsten meit, der soln wir dienen gern;
ir lop mit sang ich cron.


Ich will ein meit mit mim gesange gruessen,
die kann mir sweren, senden kumer buessen,
des frow ich mich der stund;
sy ist geheissen maria, die suesse,
sy ist der welt ein clorer spiegel, spruesse,
niemans volloben kunt.
Sy ist ein ußerweltes clores ymmer,
und wert on ende stet;
ir guet ist aller guet ein ueberzymmer,
yr guet fert fru und spet
in aller welt gemeine;
des hat die meit ir guet gar sunder eine
in all der welt geset.


Wol mir, das ich geboren bin uf erden,
daz ich ir dienen sol, der zarten werden,
mit sprechen und mit singen!
Yr werder lip ist wol darzue geherde,
daz in der gottes sun zue muetter gerde;
er gab ir guet gelingen.
Da wist er wol, das er si het geschaffen;
Sy hat ouch guette vil,
Von ir so lesen ouch die wisen pfaffen,
yr guet ist one zil;
wer mag ir nue gelichen
hie uf der erd. Und in den himelrichen
got tuet ouch, waz sy will.


Maria, frow, dez soln wir dir getruewe,
Maria, gottes thochter, muetter, frowe,
Maria, davids tru!
Maria, edel roß in himeltowe,
Mari, hilff uns zu ewiclichem schowe,
Mari, du ware ru.
Mari, du treist die engelische crone,
Mari in hohen eren,
mari, got hat geziert, gesteinet schone,
Mari mit 12 Steren,
Mari, min sinn dich gruessen!
Wir sollen dien marien der vil suessen
Umb lon, den git sy gern.



Knud Seckel: romanische Harfe und Gesang

aufgenommen im fränkischen Freilandmuseum Bad Windsheim








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